Unterwegs als Interpret von Bob Dylan-Songs

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die frühen Songs von Bob Dylan intensiv zu studieren und selbst zu singen. Auslöser war das 4-CD Album Chimes of Freedom, das im Jahre 2012 zum 50jährigen Jubiläum von Amnesty International erschien. Bob Dylan hatte dafür 80 seiner Kompositionen freigegeben und sie verschiedenen Künstlern zur Verfügung gestellt.

https://www.amnesty.de/2012/1/17/chimes-freedom-songs-bob-dylan

https://www.amnestyusa.org/press-releases/chimes-of-freedom/

Obwohl ich mich schon immer für Bob Dylan interessiert habe, gab diese Zusammenenstellung den Ausschlag, selbst zur Gitarre zu greifen und einzelne Lieder zu erlernen. Als ich nach Palästina aufbrach, hatte ich nicht die Absicht, mit meinem  Bob Dylan – Programm aufzutreten, aber manches funktioniert dort einfacher als in Deutschland, meist deshalb, weil es weniger Angebote gibt. In Beit Sahur, dem Teil von Bethlehem, in dem die Hirtenfelder liegen, gibt es ein Lokal, das am ehesten dem westeuropäischen Geschmack entspricht, Al Jisser, „Die Brücke“. Das ist der Grund, warum diese Kneipe überwiegend von Menschen besucht wird, die für eine der unzähligen Nichtregierungsorganisationen in Palästina arbeiten.

https://www.facebook.com/Aljisserpalestine/

Dort findet an jedem Samstagabend gegen 21:30 Livemusik statt, manchmal richtige Konzerte, manchmal eher Sessions ohne klare Struktur. So fragte ich Tarik, den Inhaber, ob ich vielleicht einmal ein paar Lieder vor der eigentlichen Band spielen könne. Klar, sagte er, komm am Samstag um 20:00 mit der Gitarre vorbei, dann werden wir das arrangieren. Als ich am Samstag, dem 21.10.2017, pünktlich eintraf, war die Überraschung groß, als die Band, die auftreten sollte, aus irgendwelchen Gründen verhindert war. Er hatte kurzerhand zwei Begleitmusiker für mich organisiert und mich zum „Topact“ erklärt. Aber es war nicht so einfach, die Dylan-Songs, die ich sonst immer nur allein gespielt hatte, kurzfristig für einen Pianisten und einen Flamenco-Gitarristen zu arrangieren. Es klappte aber ganz gut, wobei man hinzufügen muss, dass die meisten Palästinenser Bob Dylan nicht kennen. Für mich selbst war es lustig, dass mir ein junger Amerikaner, den ich später als Voluntär an einer meiner Schulen kennnenlernen sollte, nach dem Konzert sagte, er sei im selben Krankenhaus wie Bob Dylan geboren worden, in Hibbing, Minnesota.

Anschließend fragte mich Tarik, ob ich Lust hätte, auch in Ramallah zu spielen, wo ein mit ihm befreundetes Ehepaar ein Restaurant führt, in dem auch Livemusik veranstaltet wird, Garage Coffee Shop.

https://www.facebook.com/Garage-Coffee-Shop-BAR-1137324889615615/

Ich hatte Lust dazu, und so wusste ich auch, dass es ihm gefallen hatte und dass er glaubte, es würde auch anderen gefallen. Und tatsächlich rief einige Tage später die Frau an und lud mich zu einem Konzert ein, das für Mittwoch, den 8.11., angesetzt war, gerade noch rechtzeitig, ehe ich wegen des Ablaufs meines Touristenvisums am Freitag, den 10.11. nach Deutschland fliegen musste. So nahm meine „Karriere“ in Palästina schneller Fahrt auf als ich das je erwartet hätte. Auf der Facebook-Seite (in Palästina läuft alles über Facebook) wurde ich unverfroren als Bob Dylan angekündigt, mit einem Bild aus der frühen Phase, worüber sich dann auch manche lustig machten. Aber es funktionierte, denn es waren sogar einige Besucher aus (Ost-) Jerusalem nach Ramallah gekommen. Ramallah ist im Vergleich zu Bethlehem/Beit Sahur eine Metropole, und dort gab es auch eine Reihe von palästinensischen Zuhörern, die Bob Dylan kannten. Am Ende des Konzerts äußerte sich der Veranstalter etwas unzufrieden über sein Publikum. da viele von ihnen nicht richtig zugehört hatten. Aber das störte mich nicht, denn in einer Kneipe hatte ich nichts anderes erwartet. Für mich war es vielmehr ein wichtiger Schritt, denn ich hatte damit gewissermaßen die Feuertaufe für mein eigenes Programm bestanden.

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